Hochgebirgs-Tagebuch I
Das datadirect - Anden - Team 2008
Am Freitag, dem 4.1., fliegen drei Mann des Anden-Teams 2008 um 13 Uhr von Frankfurt über Amsterdam, Bonaire (Karibische Insel) nach Ecuador über die größte Stadt Guayaquil und landen nach 26 Stunden Reise am 5.1. sicher in der Landeshauptstadt Quito. Geplant war die Hochgebirgstour auf fünf Gipfel der Anden zu Siebt, sechs Männer und eine Frau. Immerhin vier Männer und die Bergführer sind nun dabei. (Die Tourplanung finden Sie auf der letzten Seite des datadirect-Kunden-Magazins unter News.)
5.1.08
Bergführer Ernst Müller und Bergkamerad Edgar Faller, der schon zwei Tage früher anreiste, holen die Reisenden ab. Die fünf Männer erreichen das Hostal Alcalá, müssen ihre Betten beziehen, bevor sie sich von der anstrengenden Reise erholen dürfen. Sie stellen fest, dass die Mobiltelefone in Quito trotz Quadband keinen Empfang bekommen. Deutschland ist jetzt noch ferner. Kein Kontakt ist möglich. Aber mit neuen Telefonkarten, die sie kurzfristig besorgen können, geht es dann doch. Allerdings lassen sich keine SMS und Daten versenden. Bilder wollen sie daher von einem Internetcafe aus übermitteln. Nach einer Ruhepause geht es am Nachmittag zum Äquatordenkmal, denn Quito liegt nur 20 km südlich des Äquators. Die fünf Bergsteiger genießen eine Folkloreaufführung und essen zu Mittag. Danach besichtigen sie ein auf dem Äquator gelegenes Indianermuseum. Thomas Nieberle gibt per Telefon durch: „Wir erlebten erstaunliche Phänomene am vom und durch den Äquator.“ Es folgt der Besuch einer Meerschweinchenzucht. Die Tiere werden in Ecuador gern verspeist. „Man nennt sie hier die „Döner von Ecuador“, berichtet Thomas Nieberle, „aber wir haben bisher noch keine gegessen.“ Was das Anden-Team sehr erschreckt, ist die Erzählung des viele Jahre in Ecuador lebenden Schweizer Bergführers Ernst Müller, dass in Quito eine hohe Kriminalität herrsche. Es würden zurzeit Kinder entführt, um Lösegeld zu erpressen. Die ganze Nacht heulen dann auch Sirenen und Alarmanlagen, so dass kaum jemand durchschlafen kann.
6.1.08 5.30 Uhr
Am darauf folgenden Morgen, Sonntag 5.30 Uhr, fährt das Anden-Team zum Fuße des Passachoa. Auf einer Höhe von 3.150 Metern starten die fünf Männer zur ersten Bergtour. Über steile Berghänge erreichen sie nach drei Stunden den Gipfel auf 4.200 Metern. Es ist teilweise nebelig, aber auch freie Sicht über die Gipfelwelt möglich. Auf dem Gipfel messen sie ihren Puls und den Sauerstoffgehalt des Blutes: Die Werte liegen bei allen in der Norm für die Höhe, außer bei Klaus Hildenbrandt, der Werte hat wie auf Meereshöhe. Der Abstieg ist erfolgreich. Das Team bespricht die nächste Bergtour. Am 7.1. wollen sie um 5.30 Uhr auf den Gipfel des Rucu Pichincha auf 4.700 Meter steigen.
7.1.08
Auf Straßen mit grobem Pflaster und auf Wegen mit für uns kaum vorstellbaren Löchern fahren die fünf Männer des Anden-Teams von Quito(2.800 Meter hoch gelegen) eine Stunde lang zum Rucu Pichincha bis auf 3.900 Meter. Von dort gehen sie mit mäßiger Steigung über grüne Bergwiesen, üppig bewachsen mit Farnen und Moosen, bis auf 4.350 Meter. In Ecuador gibt es übrigens etwa 3.500 verschiedene Arten von Farnen und Moosen.
Das Team entscheidet sich nicht die Normalroute zu gehen, sondern eine Klettertour über den Grat zum Gipfel zu unternehmen. Sie teilen sich in Zweier-Seilschaften auf. Nach der Art Louis Trenkers, also mit dem Seil um den Bauch, klettern sie nun über mehrere Gratspitzen auf und ab. Es wird eine lange Kletterei bis zum Gipfel. Thomas Nieberle, der mit Klaus Hildenbrandt am Seil geht, stellt munter fest, dass der Bergkamerad, der eine Victoria Agentur betreibt, auch am Berg viel Sicherheit bietet. Als die den Gipfel des Rucu Pichincha auf 4.700 Metern erreichen, sind sie in Nebel gehüllt.
Es folgt ein schneller Abstieg. Denn es müssen noch für vier Tage Lebensmittel eingekauft werden. Morgen geht es weiter zum Illiniza, wo sie zelten wollen. Auch hat der Bergführer um 16 Uhr einen Scheidungstermin bei Gericht…
Reiner Reichert und Edgar Faller sind durch eine Erkältung etwas angeschlagen. Das Team hofft auf Besserung und dass nicht weitere Probleme mit Erkältungen eintreten.
8.1.08
Am frühen Morgen fahren die Bergsteiger mit dem Kleinbus zum Hochlager des Illiniza Norte auf etwa 3.900 Meter. Bei regnerischem Wetter müssen sie unbefestigte, extrem aufgewühlte moorige Wege bewältigen. Mit einem Geländewagen wäre das Fortkommen leichter, aber sie schaffen es auch mit dem Kleinbus. Angekommen errichten die Männer sofort ihr Basislager. Sie stellen kleine Zwei-Mann-Zelte und ein größeres Mannschaftszelt auf. Darin lagern sie ihre Ausrüstung und die Lebensmittel und dort werden sie sich auch selbst ihre Mahlzeiten kochen.
Fünf vom Anden-Team absolvieren ein Höhentraining, indem sie 250 Meter aufsteigen. Wegen aufkommendem Regen müssen sie das Training sofort abbrechen und absteigen. Der sechste Mann, Wolfgang Klein, hat Magen-Darm-Probleme. Er bleibt im Zelt liegen, um sich für den nächsten Tag zu schonen.
Denn morgen, am 9.1., wollen sie um 4 Uhr früh den Gipfel des Illiniza Norte mit 5.116 Metern besteigen. Etwa 1.200 Meter werden sie dann bewältigen müssen. Alle hoffen, dass das Team es gemeinsam schaffen wird.
(Leider ist es vorerst nicht möglich Bilder zu zeigen. Die Nachrichten übermittelt uns Thomas Nieberle per Telefon.)
9.1.08
Nach einer für alle unruhigen Regen-Nacht, bricht das Anden-Team frühmorgens zum Naturpark Ilianiza Norte auf. Nun soll der 5.116 Meter hohe Ilianiza Norte bezwungen werden. Im Nationalpark angekommen, sehen sich die Männer in einer weißen Landschaft. Offensichtlich hat es hier die ganze Nacht über geschneit.
Sie steigen auf. Um 6 Uhr genießen sie einen herrlichen Sonnenaufgang mit Sicht auf den Cotopaxi. Auf etwa 4.750 Metern erreichen sie eine Schutzhütte, die von Mitgliedern des Alpenvereins Mexico gebaut und wurde. Die Hütte ist bewirtschaftet. Von hier aus geht es nun weiter hinauf auf den schneebedeckten Gipfel des Ilianiza Norte.
Die frische Schneedecke und der Nebel erschweren den Aufstieg. Die dünne Luft macht allen zu schaffen. Die Bergkameraden klettern insgesamt 5 Stunden bis sie auf dem Gipfel (5.116 Meter) stehen. Endlich! Auch Wolfgang Klein hat die Gipfeltour trotz seines gesundheitlich angeschlagenen Zustands geschafft. Alle sind froh. Der Abstieg gelingt und sie erreichen sicher die Schutzhütte.
10.1.08
Die Männer vom Anden-Team gönnen sich einen Ruhetag. Sie besuchen einen Indianermarkt. Nach der unruhigen Übernachtung im Zelt verspricht die Nacht im Bett einer Hacienda erholsamen tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen werden sie zum Cotopaxi Nationalpark aufbrechen.
11.1.08
Aufbruch zum Cotopaxi (5.897 Meter). Dort werden sie in der Berghütte Tambopaxi auf 3.720 Metern ihr Lager einrichten. Sie nehmen sich vor, voraussichtlich am Sonntag den Gipfel des Cotopaxi zu erreichen. Ob es gelingen wird, steht in den Sternen, da es zurzeit recht viel Neuschnee gibt, was von Nachteil ist bei der Besteigung. Der Cotopaxi ist einer der höchsten aktiven Vulkane der Erde und Ecuadors zweithöchster Berg.
Sollten sie am Neuschnee scheitern, so sagen sie sich, könnte der Neuschnee am Chimborazo, dem höchsten Berg Ecuadors (6.310, neuerdings 6.267 Meter,) zum Vorteil werden. Denn der Chimborazo ist aufgrund des Ausbruchs eines benachbarten Vulkans sehr vereist und damit schwierigst begehbar. Bei Neuschnee sind die Bedingungen dagegen etwas besser. Man wird sehen.










