Hochgebirgs-Tagebuch III
Das datadirect - Anden - Team 2008
Nach dem erfolgreichen Gipfelsturm auf den Cotopaxi sind die Männer des datadirect-Anden-Teams nun in Baños (sprich: Banjos) auf 1.800 Meter angekommen. Der kleine Ort (15.000 Einwohner plus ein Vielfaches an Touristen) liegt am aktiven Vulkan Tungurahua in direkter Nachbarschaft des Chimborazo. Vor der Besteigung ihres zweiten großen Zieles, des höchsten Berges Ecuadors, des Chimborazo mit 6.310 Metern (oder auch 6.267 Metern) werden sie sich hier erholen. Warum Thomas Nieberle die Aussichten für sehr gering hält den Gipfel zu erreichen, („dass wenigstens eine Seilschaft es vielleicht schafft“), lesen Sie auch im Hochgebirgstagebuch II.
14.1.08
Die Bergkameraden genießen die heißen Quellen in Baños. Danach erreichen sie einen Marktplatz, wo sie ein sehr schmackhaftes Menü für einen Dollar pro Person essen. Am Nachmittag besuchen sie den örtlichen Zoo. Sie sehen dort alle einheimischen Tiere, wie Leoparden, Pumas, Brillenbären, Affen, Galapagos Schildkröten mit 250 Kilogramm Gewicht, viele Vogelarten und die Kondore. Bei einer anschließenden Wanderung durch einen großen Canyon sehen sie einen freien Andenkondor am Himmel segeln. Er zählt zu den Geiern. Seine Flügelspannweite kann bis zu über drei Meter messen. Er wiegt etwa 12 Kilogramm und soll bis zu 7.000 Meter hoch fliegen können.
Sie hören viele Geschichten vom Tungurahua Vulkan, der Baños schon einmal zerstörte. Abends gehen sie zur Puente San Francisco, die den Río Pastaza überspannt. Die Brücke dient den Menschen hier als Fluchtweg vor der Lava des Vulkans. Momentan ist der Vulkan aktiv. Aus dem Schlot des Vulkans raucht es dunkel und ab und zu ist auch Glut im Rauch zu sehen. Die Lava schießt wiederholt in die Höhe, bis zu sechs Kilometer, heißt es.
15.1.08
Am darauf folgenden Morgen, fährt das Anden-Team zum Chimborazo Nationalpark. Sie kaufen Lebensmittel für die nächsten zwei Tage ein. Auf einer Höhe von etwa 4.850 Metern am Ende der kurvenreichen Piste erreichen sie die Carrel-Hütte. Der Höhenunterschied zum Ort Baños beträgt etwa 3.000 Meter. Das Atmen fällt hier oben schwer. Thomas Nieberle beschreibt die Atmosphäre als „kalt und unwirtlich“. Sie richten in der Hütte ihr Lager ein.
16.1.08
Wieder Aufbruch. Die Männer verlegen ihr Lager in die Whymper-Hütte, die etwas höher auf 5.000 Meter liegt. Zur Akklimatisation müssen sie zwei- bis dreihundert Meter höher aufsteigen als sie schlafen. Deshalb steigen sie los. Sie stehen auf der Aufstiegsroute zum Chimborazo vor einem Eis-Schuttfeld auf 5.300 Meter Höhe. Es knallt rechts und links von ihnen. Das Eis taut auf durch die warme Sonne und die heiße Vulkanasche. „Steine werden wie aus Kanonen weggeschossen“, berichtet Thomas Nieberle. Unaufhörlich schleudern große Brocken an ihnen vorbei.
Bergführer Ernst Müller erklärt ihnen: Nachts etwa um 3 bis 4 Uhr morgens, wenn das Eis gefroren ist, werden sie 30 bis 40 Minuten lang durch das „schießwütige“ Eis-Schuttfeld hindurch gehen müssen. Thomas Nieberle gehen zahlreiche Gedanken durch den Kopf. Er wacht die ganze Nacht hindurch. Eine Entscheidung ist fällig: Soll er die Tour wagen oder nicht. Der Aufstieg zur Whymper-Hütte fiel ihm in der dünnen Luft schon sehr schwer. Wird er noch genug Kraft aufbringen können für vielleicht 10 Stunden Aufstieg zum Gipfel des Chimborazo? Am Morgen ist die Entscheidung gefallen: Er geht nicht hinauf. Das Risiko ist ihm zu hoch. Auch Edgar Faller fühlt sich nicht kräftig genug und wird nicht aufsteigen.
Wolfgang Klein und Klaus Hildenbrandt fühlen sich gut. Sie werden mit zwei ecuadorianischen Bergführern in zwei Seilschaften das Wagnis eingehen. Auch Bergführer Ernst Müller und Reiner Reichert sind dabei. Etwa 25 weitere Bergsteiger aus USA und Groß-Britannien wollen ebenfalls den Gipfel erreichen.
17.1.08
Am frühen Morgen geht es los. Nach etwa zwei Stunden Aufstieg brechen Bergführer Ernst Müller und Reiner Reichert die Tour ab und kehren zurück. Steinschlag und Eislawinen machen es für sie unmöglich weiter zu kommen.
Aber dann beginnt es zu schneien. Der Neuschnee bessert die Situation. Die anderen zwei Seilschaften steigen weiter auf. Nach etwa 7,5 Stunden erreichen Wolfgang Klein mit Bergführer und Klaus Hildenbrandt mit Bergführer den Gipfel. Über diesen tollen Erfolg freuen sich die Männer sehr!
Ein Einzelgeher war ebenfalls erfolgreich. Alle anderen Seilschaften mussten aufgeben. Die Erfolgsrate den Gipfel des Chimborazo zu erreichen, so Bergführer Ernst Müller, liege bei unter 10 Prozent. Das datadirect-Anden-Team 2008 liegt bei 40 Prozent. Am Cotopaxi liege die Erfolgsrate bei unter 30 Prozent. Das datadirect-Anden-Team 2008 liegt bei 100 Prozent. Thomas Nieberle für das Team: „Wir freuen uns daher die Gipfel mit großem Erfolg bezwungen zu haben.“
18.1.08
Nun fahren die Männer zurück nach Baños. Dort erholen sie sich von den Strapazen. Sie werden noch zwei Tage am Amazonas verbringen. Am 21.1.08 fliegen sie zurück nach Deutschland.










